02.10.2026

„Junge Festivalgäste bringen neue Impulse nach Karlsruhe“

Interview mit Patrick Seiffert, Vorsitzender des DEHOGA Karlsruhe und Geschäftsführer des Hotel Santos Karlsruhe

Messen, Kongresse und Musikfestivals setzen wichtige Impulse für die Karlsruher Hotellerie und die regionale Wirtschaft. Insbesondere junge Festivalgäste erschließen neue Zielgruppen, beleben Gastronomie, Handel und Mobilität und stärken Karlsruhe als attraktive Veranstaltungs- und Tourismusdestination. Im Interview sprechen wir mit Patrick Seiffert, Vorsitzender des DEHOGA Karlsruhe und Geschäftsführer des Hotel Santos Karlsruhe, über die spürbaren Effekte dieser Veranstaltungen für Hotellerie, Tourismus und Wirtschaft.

Welche Bedeutung haben Veranstaltungen wie Messen und Kongresse für die Auslastung der Karlsruher Hotels, und welchen besonderen Beitrag leisten dabei Musikfestivals mit einem überwiegend jungen Publikum?

Patrick Seiffert: Messen und Kongresse sind für die Wirtschaftlichkeit unserer Betriebe absolut essenziell. Umso mehr freuen wir uns, dass die Stadthalle nach fast zehn Jahren des Umbaus und der Sanierung nun seit wenigen Wochen endlich wieder als zentrale Kongress- und Eventfläche geöffnet ist.

Dennoch müssen wir den wirtschaftlichen Realitäten ins Auge sehen: Der Hotelmarkt in Karlsruhe ist in den letzten drei Jahren um rund 50 Prozent gewachsen. Die reinen Besucherzahlen können damit bisher trotz positiver Entwicklung bei Weitem noch nicht Schritt halten. Einerseits ist das gut für Messe- oder Kongressgäste, denn viel Wettbewerb sorgt für niedrigere Übernachtungspreise. Für die Betriebe vor Ort ist die Lage auf der anderen Seite dennoch herausfordernd.

Deshalb fordern wir vom DEHOGA seit Jahren mehr Großveranstaltungen in Karlsruhe. Kulturevents und Musikfestivals wie Rheingrün oder das 44 Festival liefern dazu genau den Hebel, den wir brauchen: Sie beleben das sonst schwächere Wochenende, und die Effekte der ersten Veranstaltungen sind durchaus bemerkenswert. Das technisch hervorragend erschlossene Peter-Gross-Bau-Areal ist daher prädestiniert dafür, genau solche publikumsstarken Events nach Karlsruhe zu holen.

Inwiefern unterscheiden sich die Übernachtungs- und Aufenthaltsgewohnheiten junger Festivalgäste von denen klassischer Geschäftsreisender, Messegäste oder Kongressteilnehmender?

Der Unterschied liegt schlichtweg im Lebensrhythmus und in der Dynamik. Der klassische Messe- oder Kongressgast bucht meist monatelang im Voraus sein Einzelzimmer, steht um sieben Uhr am Frühstücksbuffet und nutzt das Hotel vor allem als funktionale Basis für seinen Arbeitstag. Häufig kommen Abendveranstaltungen im Rahmen des Messe- oder Kongressprogramms hinzu, die gemeinsam mit anderen Teilnehmenden besucht werden. Das bedeutet meist gegen 18 Uhr einen schnellen Apéro an der Bar und, wenn überhaupt, einen späten gemeinsamen Ausklang des Tages.

Zudem sind Messe- und Kongressgäste meist deutlich weniger preissensibel als Touristen oder Festivalbesucher. Auch Messe- und Kongressgästen bereits im Vorfeld ihrer Planung aufzuzeigen, dass Karlsruhe durchaus eine weitere Nacht wert ist, um die Stadt und ihr vielfältiges Angebot zu erleben, ist eine Aufgabe, der wir uns künftig im Dreiklang von KMK, KTG und DEHOGA noch intensiver widmen werden.

Die Festivalgäste ticken naturgemäß völlig anders: Sie buchen oft kurzfristiger und sind preissensibler, reisen gern zu zweit oder in Gruppen an und verlagern ihren kompletten Tag häufig in die Abendstunden. Da ist kein Business-Check-in gefragt, sondern Flexibilität – sei es bei späten Anreisen, einem unkomplizierten Late-Check-out oder angepassten Servicezeiten.

Was man dabei aber keinesfalls unterschätzen darf: Diese Zielgruppe fliegt für viele von uns zwar komplett „unter dem Radar“, ist aber extrem reisebereit. Sie setzen sich ins Auto oder in den Zug und fahren mehrere hundert Kilometer, nur um bei einem solchen Festival vor Ort dabei zu sein. Das sind Gäste, die wir mit klassischem Tourismusmarketing über diese Distanzen nur mit enormem Werbeaufwand erreichen würden.

Welche wirtschaftlichen Effekte entstehen durch Veranstaltungen über die Übernachtungen hinaus, beispielsweise für Gastronomie, Handel, Mobilität und weitere Dienstleistungsbetriebe in Karlsruhe und der Region?

Die Effekte beschränken sich nicht nur auf die reine Hotelübernachtung – daran hängt eine gewaltige Wertschöpfungskette. Wer für eine Großveranstaltung nach Karlsruhe kommt, schläft nicht nur hier: Die Gäste gehen mittags in die Stadt, besuchen Cafés und Restaurants oder kaufen im lokalen Einzelhandel ein. Das Taxigewerbe, der ÖPNV, aber auch regionale Dienstleister wie Sicherheitsdienste, Bühnenbauer und Getränkelieferanten spüren diese zusätzliche Frequenz unmittelbar.

Zur Wahrheit gehört eben auch der Blick auf die Finanzen der Stadt: Über die City-Tax leistet jeder einzelne dieser Gäste einen konkreten finanziellen Beitrag für die Infrastruktur und den städtischen Haushalt in Karlsruhe. Jeder Euro, der hier durch innovative Großevents gemeinsam mit der Privatwirtschaft erwirtschaftet wirdkommt unterm Strich uns allen zugute.

Welche möglicherweise neuen Zielgruppen können durch Großveranstaltungen nach Karlsruhe kommen, und welche Chancen ergeben sich daraus für die touristische Vermarktung der Stadt?

Großveranstaltungen tragen dazu bei, das verstaubte Image aufzubrechen, das Karlsruhe außerhalb der Region leider immer noch mitunter anhaftet. Für viele junge und studierende Menschen hat Karlsruhe auf den ersten Blick nicht die spontane Faszination einer Metropole wie Berlin oder München. Wenn man Karlsruhe außerhalb der Region kennt, dann oft nur als etwas spießige, angestaubte Beamtenstadt in Verbindung mit dem Bundesverfassungsgericht. Karlsruhe muss man erst einmal selbst erleben, um es lieben zu lernen.

Und genau darin liegt die enorme Chance: Karlsruhe hat sich beispielsweise – getragen von engagierten lokalen Kulturschaffenden – fast unbemerkt zu einem echten Hotspot für elektronische Musikfestivals entwickelt. Wenn ein junger Studierender für ein Festivalwochenende zu uns kommt und ein tolles Wochenende verbringt, dann bleibt diese positive Erfahrung hängen. Sucht derselbe Absolvent ein oder zwei Jahre später nach dem Studium einen Arbeitsplatz, bewirbt er sich mit einer ganz anderen Haltung bei einem unserer innovativen Karlsruher Unternehmen.

Wie Sie sehen, können die Auswirkungen solcher Großevents weit über die unmittelbare Wertschöpfung im Zusammenhang mit der jeweiligen Veranstaltung hinausgehen.

Was braucht es aus Ihrer Sicht für eine gute Zusammenarbeit zwischen Hotels, Veranstaltenden und weiteren Partnern?

Einen reibungslosen Informationsfluss. Von den ersten Planungsschritten und der terminlichen Abstimmung bis zum Veranstaltungstag selbst ist es wichtig, alle Akteure einzubeziehen und transparent zu planen.

Dem Veranstaltungsbesucher ist am Ende nämlich gleichgültig, wie viele Akteure Teil dieses perfekten Uhrwerks sind. Für ihn zählt das reibungslose und positive Gesamterlebnis. Elemente wie die neuen digitalen Infostelen, die auf einen Blick das gesamte Angebot der Stadt, der Kultur, der Sehenswürdigkeiten und der Messe zugänglich machen, sind dabei ein wichtiger und innovativer Bestandteil der Strategie.

Nur so gelingt es uns, Karlsruhe als ganzheitliche Destination für Besucher erlebbar zu machen.

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