Wirtschaftsmotor Messe: Starke Impulse für die örtliche Gastronomie
Im Dialog mit Daniele Di Sario, Il Teatro²
Manche Wege nach einem Messe- oder Kongressbesuch in Karlsruhe führen weder ins Hotel noch nach Hause, sondern direkt an einen Tisch des Il Teatro² in unmittelbarer Nachbarschaft zum innerstädtischen Kongresszentrum. Hier können sich Ausstellende wie Besuchende nach Veranstaltungstagen und -abenden kulinarisch verwöhnen und diese entspannt ausklingen lassen.
Im Interview gibt Daniele Di Sario, der das Il Teatro² seit 2019 in zweiter Generation führt, unter anderem einen Einblick, wie sich der Veranstaltungsbetrieb der Messe Karlsruhe auf sein Restaurant sowie die Gastroszene in Karlsruhe auswirkt. Dabei zeigt sich eine Entwicklung, die die aktuelle dwif-Studie unterstreicht: Die wachsende Bedeutung der Messe Karlsruhe als Wirtschaftsmotor der Region.
Geben Sie uns zum Einstieg gerne einen Einblick in die Geschichte des Il Teatro²!
Die Geschichte des Il Teatro begann im Sommer 1984 in Karlsruhe. Seit Oktober desselben Jahres ist sie eng mit meinem Vater verbunden, der das Restaurant über viele Jahre führte und entscheidend prägte.
Im September 2019 habe ich das Il Teatro schließlich von meinem Vater übernommen und führe die Geschichte des Hauses damit in zweiter Generation weiter. Nach meiner Ausbildung zum Koch sammelte ich Erfahrungen in verschiedenen Küchen, darunter auch in der Sternegastronomie.
Mit der Übernahme war es mir wichtig, die Geschichte und die italienischen Wurzeln des Il Teatro zu bewahren und gleichzeitig meine eigene Handschrift einzubringen. Seitdem haben wir die Küche Schritt für Schritt weiterentwickelt: moderner, reduzierter und weltoffener, aber immer mit einer italienischen Seele. Für mich ist das Il Teatro² deshalb nicht nur ein Restaurant, sondern ein Stück Familiengeschichte, das sich seit mehr als 40 Jahren immer wieder weiterentwickelt.
Das Il Teatro² liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum innerstädtischen Kongresszentrum und damit zur Messe Karlsruhe: Welche Rolle spielt dies für Ihr Restaurant?
Die unmittelbare Nähe zum Kongresszentrum ist für uns ein großer Vorteil. Wir merken deutlich, wenn in Karlsruhe Kongresse, Messen oder größere Veranstaltungen stattfinden. Dann begrüßen wir viele Gäste, die beruflich in der Stadt sind, hier übernachten und ihren Abend bei uns verbringen.
Besonders stark spüren wir beispielsweise die art karlsruhe. Auch die EUROVINO empfinde ich als große Bereicherung. Solche Veranstaltungen bringen viele Menschen nach Karlsruhe, die eine hohe Affinität zu gutem Essen, Wein und Genuss mitbringen – und das passt hervorragend zu uns.
Auch unabhängig von Veranstaltungen sind wir häufig gut bis vollständig ausgebucht. Messen und Kongresse schaffen jedoch zusätzliche Nachfrage und können gerade in ansonsten ruhigeren Zeiträumen wichtige Impulse geben.
Umso mehr freue ich mich auf die modernisierte Stadthalle direkt gegenüber von uns. Mit der Wiederaufnahme des Veranstaltungsbetriebs dort werden wir die unmittelbare Nähe künftig noch stärker spüren. Davon profitieren nicht nur wir als Restaurant, sondern die Gastronomie, die Hotellerie und letztlich die gesamte Karlsruher Innenstadt.
Inwiefern spüren Sie rund um Veranstaltungen eine veränderte Nachfrage?
Das zeigt sich bereits im Reservierungsverhalten. Firmen und größere Geschäftsgruppen planen ihren Besuch häufig frühzeitig und reservieren mit entsprechendem Vorlauf. Einzelne Messe- und Kongressgäste entscheiden sich dagegen oftmals kurzfristiger.
Bei Veranstaltungen wie der art karlsruhe oder der EUROVINO merken wir außerdem, dass das Publikum besonders genuss- und weinaffin ist. Das zeigt sich auch in der Nachfrage nach besonderen Weinen und Weinbegleitungen.
Viele dieser Gäste sind inzwischen zu Wiederholungsgästen geworden. Manche verabschieden sich nach ihrem Besuch tatsächlich schon mit einem „Bis nächstes Jahr“. Für uns ist das wahrscheinlich das schönste Zeichen dafür, dass aus einem Messebesuch in Karlsruhe über die Jahre auch eine kleine kulinarische Tradition entstanden ist.
Stimmen Sie sich organisatorisch auf den Veranstaltungsbetrieb ab – etwa hinsichtlich Personalplanung, Öffnungszeiten oder Speisekarte?
Wir verfolgen den Veranstaltungskalender sehr genau und berücksichtigen größere Messen und Kongresse frühzeitig in unserer Reservierungs-, Einkaufs- und Ablaufplanung. Auch größere Gruppen und deren Wünsche stimmen wir möglichst im Vorfeld ab.
Unsere Öffnungszeiten und unser kulinarisches Konzept verändern wir aufgrund einzelner Veranstaltungen jedoch in der Regel nicht. Unsere feste Mannschaft und unsere Abläufe sind grundsätzlich auf eine hohe Auslastung vorbereitet.
Entscheidend ist für uns, dass unsere Gäste immer die gleiche Qualität und das gleiche Erlebnis bekommen, unabhängig davon, ob gerade eine große Messe stattfindet oder ein gewöhnlicher Abend in Karlsruhe ist.
Wie verändert sich die Zusammensetzung Ihrer Gäste im Zusammenhang mit Veranstaltungen?
Während größerer Messen und Kongresse wird unser Publikum wesentlich internationaler. Wir begrüßen dann mehr Geschäftsreisende, Aussteller, Winzer und Besucher aus ganz Deutschland und dem Ausland. Entsprechend wird bei uns in dieser Zeit auch deutlich mehr Englisch gesprochen.
Das Schöne daran ist für mich der persönliche Austausch. Gerade bei Veranstaltungen wie der EUROVINO kommt es immer wieder vor, dass wir nach dem Service noch mit einem Winzer oder Aussteller zusammensitzen, gemeinsam ein Glas Wein trinken und uns über Wein, Gastronomie und die Veranstaltung austauschen.
Aus solchen Begegnungen entstehen manchmal Kontakte, die weit über den eigentlichen Messebesuch hinaus bestehen bleiben. Diese Mischung aus unseren Stammgästen und den vielen unterschiedlichen Menschen, die durch Veranstaltungen nach Karlsruhe kommen, macht diese Zeiten für uns besonders spannend.
Welche wirtschaftlichen Impulse gehen Ihrer Einschätzung nach insgesamt vom Messestandort für die Gastronomie der Stadt und Region aus?
Ich halte diese wirtschaftlichen Impulse für sehr wichtig. Eine Messe oder ein Kongress endet für die Besucher schließlich nicht mit dem Verlassen der Veranstaltung. Die Menschen übernachten in Karlsruhe, gehen essen, besuchen Bars, nutzen Taxis und andere Dienstleistungen und verbringen teilweise mehrere Tage in der Stadt.
Das merken wir als Restaurant unmittelbar, aber natürlich profitieren davon viele Bereiche der Gastronomie und Hotellerie in Karlsruhe und der gesamten Region.
Besonders wertvoll sind Veranstaltungen, die regelmäßig wiederkehren. Sie bringen nicht nur einmalig Gäste in die Stadt, sondern sorgen dafür, dass Menschen Karlsruhe kennenlernen und im besten Fall jedes Jahr wiederkommen.
Ein attraktiver und gut funktionierender Messe- und Kongressstandort ist für Karlsruhe deshalb weit mehr als ein Veranstaltungsort. Er bringt Menschen in die Stadt, schafft zusätzliche Nachfrage und trägt dazu bei, Karlsruhe gastronomisch und touristisch nach außen sichtbar zu machen.
Was macht den Standort Karlsruhe aus Ihrer Sicht besonders attraktiv für Teilnehmende von Kulturveranstaltungen, Messen und Kongressen – auch beziehungsweise gerade aus kulinarischer Perspektive?
Karlsruhe verfügt über eine sehr gute Lage und Verkehrsanbindung. Die Stadt ist mit der Bahn hervorragend erreichbar und liegt günstig zwischen wichtigen Wirtschaftsregionen. Gleichzeitig sind die Wege innerhalb Karlsruhes angenehm kurz: Vieles lässt sich zu Fuß erreichen und mit der Straßenbahn kommt man unkompliziert praktisch überall hin.
Auch kulinarisch hat sich Karlsruhe in den vergangenen Jahren enorm weiterentwickelt. Heute gibt es eine große Bandbreite, von unkomplizierter Gastronomie und einer lebendigen Bar- und Gastroszene bis hin zur ambitionierten Spitzengastronomie.
Ich schätze dabei viele meiner Kolleginnen und Kollegen sehr: Mit Thorsten Bender und dem Restaurant ‚sein‘ haben wir beispielsweise ein mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnetes Restaurant in Karlsruhe. Gleichzeitig gibt es weitere tolle Häuser wie das EigenArt, die Oberländer Weinstube oder das Kesselhaus. Und auch unmittelbar vor den Toren der Stadt steht das von Marcel Kazda geführte Restaurant ‚garbo zum Löwen‘ für ausgezeichnete Gastronomie.
Dazu kommt das Leben in der Innenstadt. Rund um den Ludwigsplatz, den Marktplatz und viele weitere Ecken gibt es schöne Möglichkeiten, nach einem Restaurantbesuch noch etwas trinken zu gehen und den Abend ausklingen zu lassen.
Genau diese Mischung macht Karlsruhe besonders: Die Stadt ist kompakt, hervorragend angebunden und bietet kurze Wege, gleichzeitig aber eine gastronomische Vielfalt und Qualität, die viele Gäste positiv überrascht.
Und abschließend: Was macht für Sie einen guten Gastgeber aus?
Für mich beginnt gute Gastfreundschaft damit, dass sich ein Gast vom ersten Moment an willkommen fühlt. Natürlich müssen Essen, Wein und Service auf einem hohen Niveau sein. Am Ende sind es aber die Menschen und die Atmosphäre, die darüber entscheiden, ob ein Abend wirklich in Erinnerung bleibt.
Ein guter Gastgeber ist aufmerksam, ohne aufdringlich zu werden. Er sollte ein Gespür dafür entwickeln, was ein Gast gerade braucht. Manche möchten viel über einen Wein oder ein Gericht erfahren, andere möchten einfach einen unbeschwerten Abend verbringen. Beides muss man erkennen und respektieren.
Mir ist außerdem wichtig, dass Gastfreundschaft ehrlich und persönlich bleibt. Bei uns darf gelacht werden, wir dürfen Persönlichkeit zeigen und auch einmal einen Moment länger am Tisch stehen und uns mit unseren Gästen unterhalten.
Das Il Teatro² ist für mich längst mehr als mein Arbeitsplatz, es ist mein Zuhause. Eines meiner großen Ziele ist, dass auch unsere Gäste etwas von diesem Gefühl spüren. Das Il Teatro² soll ein kulinarisches Wohnzimmer für Karlsruhe sein: ein Ort, an dem unterschiedliche Menschen zusammenkommen und sich willkommen und wohlfühlen.
Wenn ein Gast am Ende nicht nur sagt, dass er sehr gut gegessen und getrunken hat, sondern dass er sich bei uns wirklich wohlgefühlt hat und gerne wiederkommt, dann haben wir als Gastgeber vieles richtig gemacht!